Die Stromschiene der Vorortstrecken nach Bernau, Oranienburg und Velten, 1924-1927
 

Auf dem Streckenabschnitt Stettiner Vorortbahnhof - Bernau und den Strecken nach Hermsdorf , Oranienburg und Velten wurde erstmals eine von unten bestrichene Weicheisenstromschiene im Regelbetrieb eingesetzt. Dadurch verbesserte sich der Berührungsschutz für die Streckenläufer und das Betriebspersonal erheblich. Gegenüber der seitlich bestrichenen Stromschiene war jetzt die Oberseite und beide Seitenflächen durch einen Holzschutzkasten gegen unabsichtliches Berühren geschützt. Die zu dieser Zeit eingesetzten Stromschienen- Träger waren aus gebogenen Stahlprofilen und hielten die Stromschiene mittels einer Klaue von oben fest. Der Isolator des Trägers bestand aus Speckstein, einem damals üblichen Isolierstoff. Der Träger bewährte sich im Einsatz und ist in der nächsten großen Etappe der Elektrifizierung als Standart unter dem Namen „Stadtbahnträger“ in die Bauteilgeschichte der S- Bahnenergieversorgung eingegangen. Stadtbahnträger waren noch bis 1997 in der Aufstellanlage der Hauptwerkstatt Schöneweide eingebaut. Heute stehen sie nur noch auf stillgelegten Strecken wie z.B. der Linie nach Gartenfeld oder der zweiten Verbindungskurve Hundekehle von der Stadt zur Ringbahn als stille Zeugen einer fast 80-jährigen Geschichte. Einige dieser Träger wurden sichergestellt und aufgearbeitet. Sie sind mit verschiedenen Isolatoren im Stromschienenmodell des S- Bahnstromwerkes Ostkreuz im Rahmen einer kleinen Sammlung zur Entwicklungsgeschichte der Energieversorgung S-Bahn erhalten. Die Stromtragfähigkeit der Stromschiene an den Laschenverbindungen der Stromschienenlängen untereinander wurde an festen Laschenstößen durch verschweißen der Laschen mit der Stromschiene und an den Temperatur- Laschen (Dehnungsstößen) durch eingeschlagene Kupferseil- Verbinder gesichert. Am Anfang und Ende einer Stromschiene verwendet man Auflaufspitzen um ein untergleiten des Stromabnehmers zu sichern. Gegenüber der seitlich bestrichenen Stromschiene bestand das Problem des Aufgleitens der Stromabnehmer jetzt auch in Weichenverbindungen. Die damals verwendeten Weichenaufläufe bestanden aus einem Rampenblech und einer aufgeschraubten Zwangsrampe die den Stromabnehmer sicher unter die Stromschiene drückten. Diese Aufläufe waren sowohl in einer linken als auch einer rechten Ausführung eingesetzt. Das Netz der mit einer 800 V DC Stromschienenanlage betriebenen Strecken hatte am Ende des Jahres 1926 eine Gesamtlänge von fast 33 km erreicht. Als Speiseleitungen wurden Massekabel mit den entsprechenden Kabelgarnituren verwendet.  

Anschluß eines 800V Kabels an die Stromschiene 

Anschluß eines 800V Kabels an die Stromschiene

Stromverbinder einer Temperaturlasche

Stromverbinder einer Temperaturlasche